Welche Trends rund um unsere Ernährung kommen auf uns zu? Und wie reagiert ein Fleischproduzent darauf? Darüber und wie man bei einer solche Strategieänderung „out of the box“ denkt, sprachen wir mit Hermann und Thomas Neuburger, Vater und Sohn sowie Chefs der Marken Neuburger und Hermann.

 

Interview mit Hermann und Thomas Neuburger

Hermann und Thomas Neuburger

Sodexo: Egal ob mit oder ohne Lockdown, in einem Büro, im Homeoffice oder an einem Produktionsort - wir alle verbringen sehr viel Zeit an unserem Arbeitsplatz. Das hat einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität jedes Einzelnen. Sodexo hat sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität von Menschen am Arbeitsplatz – egal wo der auch immer sein mag – kontinuierlich zu verbessern. Wie definieren Sie denn für sich Lebensqualität?

Hermann und Thomas Neuburger: Unser Leben besteht aus den drei Fixpunkten „Gesundheit“, „Partnerin & Familie“ und „Beruf“. Wenn dieses Dreieck im Einklang miteinander steht, dann geht es uns gut. Beim Thema Lebensqualität spielt aber auch die Natur eine wichtige Rolle: Genauso wie die Zeit in der Natur wichtig für unser Wohlbefinden ist, hat auch unser Verhalten großen Einfluss auf unsere Umwelt und erfordert einen achtsamen Umgang.

Sodexo: Während der diversen Lockdowns in der Vergangenheit haben sich viele werktätige Personen sehr intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigt, aus unterschiedlichsten Gründen. Welche großen Trends und Entwicklungen sehen Sie aktuell beim Thema Ernährung am Arbeitsplatz?

Hermann und Thomas Neuburger: Das Bewusstsein nimmt zu. Immer mehr Menschen geht es nicht mehr einfach nur darum, satt zu werden. Stattdessen beschäftigt man sich damit, was man isst – zum Beispiel Fleischkonsum – und wo es herkommt – Stichwort Regionalität und Bio. Die steigende Achtsamkeit betrifft aber nicht nur die Lebensmittel selbst, sondern auch damit zusammenhängende Faktoren wie das Thema Verpackung. Der Arbeitsplatz, wo man so viel Zeit verbringt, und die damit einhergehende Möglichkeiten der Ernährung – Kantine, Essensangebote in der Umgebung oder Mitarbeiterküche zur Zubereitung mitgebrachter Speisen – sind hier natürlich entscheidende Faktoren.

Sodexo: Wie schnell werden diese Veränderung auch in Österreich ankommen? Welche Trends sind schon angekommen?

Hermann und Thomas Neuburger: Wir bemerken hier in Österreich schon sehr viel Bewegung bei diesem Thema. Zum Beispiel waren es die Konsumentinnen und Konsumenten, die uns bei HERMANN in den letzten Jahren dazu animiert hatten, eine möglichst nachhaltige Verpackung zu entwickeln, bis wir es geschafft haben, den Kunststoff-Anteil um 80% zu reduzieren. Doch der Veränderungswille der Österreicherinnen und Österreicher ist natürlich auch stark von den dazu passenden Angeboten abhängig. Nehmen wir das Beispiel „Reduktion des Fleischkonsums“. Diese wird nur gelingen, wenn zum Beispiel in der Kantine auch abwechslungsreiche fleischlose Gerichte angeboten werden.

Sodexo: Was hat Sie als ursprünglich traditionelles Fleisch verarbeitendes Unternehmen und unter anderem sehr erfolgreichen Produzenten von Leberkäse dazu bewegt, ein vegetarisches „Konkurrenzprodukt“ auf den Markt zu bringen?

Hermann und Thomas Neuburger: Wir haben die Entwicklungen in der Tierhaltung in den letzten Jahrzehnten mit zunehmender Sorge beobachtet, während gleichzeitig der Fleischkonsum immer mehr gestiegen ist. Abgesehen davon, was den Tieren angetan wird, tut es auch weder unserer Gesundheit noch unserer Umwelt gut. Als Fleischproduzenten sehen wir uns hier in der Verantwortung. Es war uns wichtig, den Konsumentinnen und Konsumenten eine Alternative anzubieten, die mindestens genauso gut schmeckt, möglichst natürlich ist, satt macht und die man genauso einfach zubereiten kann.

Sodexo: Die Entscheidung vegetarische Alternativen unter dem Marken „Hermann“ anzubieten, ist sehr visionär. Wie denkt man so „out oft the box“?

Hermann und Thomas Neuburger: Wir stellen an uns und unsere Arbeit sehr hohe Qualitätsansprüche. So würden wir nichts produzieren, was wir nicht auch selbst essen wollen. Gerade bei HERMANN hat das bedeutet, völlig neue Wege zu beschreiten. Denn als wir mit der Entwicklung der vegetarischen Produkte begonnen haben, war das Wissen dazu in Europa noch sehr gering,. Deshalb haben wir mehrere Reisen nach Asien unternommen, wo die fleischlose Küche eine jahrtausendalte Tradition hat. Nach der Entwicklung von rund 5.000 Produkten mit verschiedenen Grundstoffen wie Soja, Seitan oder Pilzen haben wir HERMANN auf Basis des Kräuterseitlings auf den Markt gebracht. Für die natürliche Zubereitung ohne Zusatzstoffe erhielten wir auch ein Patent. Um unsere hohen Qualitätsansprüche zu erfüllen und noch nachhaltiger zu agieren, züchten wir den bei uns noch wenig verbreiteten Kräuterseitling sogar selbst. Mittlerweile sind wir sogar der größte Pilzverarbeiter des Landes.

Sodexo: Neue Trends sind Signale für Veränderungen in einer Gesellschaft. Besonders die viel zitierten Mega-Trends bewirken oft sehr tiefgreifende, teilweise fundamentale Veränderungen zum Beispiel im Nutzerverhalten. Was bedeutet für Sie in diesem Zusammenhang Resilienz?

Hermann und Thomas Neuburger: Wir folgen mit HERMANN keinem Trend, sondern einem tiefen inneren Bedürfnis, eine nachhaltige und hochwertige Alternative zu Fleisch anzubieten. Der Grundstein dafür wurde schon vor über zehn Jahren gelegt und damit lange bevor das Thema „Bewusste Ernährung“ zum Mega-Trend wurde. Die aktuelle Pandemie birgt nun aus unserer Sicht die Chance, zum Treiber des Trends der gesunden und nachhaltigen Ernährung zu werden. Die Menschen werden aus den gewohnten Abläufen gerissen und damit entsteht Platz für neue, nachhaltige Gewohnheiten. Wir merken das auch anhand der gestiegenen Nachfrage nach HERMANN in den letzten Monaten.

Sodexo: Der Wandel in unserer Arbeitswelt ist überall spürbar und macht vor keinem Unternehmen halt. Wie werden Sie bei Neuburger/Hermann in 10 Jahren arbeiten? Was bleibt? Was wird sich ändern?

Hermann und Thomas Neuburger: Den größten Wandel in unserem Unternehmen haben wir mit HERMANN bereits eingeläutet. Nur in diesem Bereich wollen wir in Zukunft wachsen und unseren Fokus darauf legen. Von daher wird künftig ein immer größerer Anteil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die vegetarischen Produkte im Einsatz sein. Darüber hinaus sehen wir die Zukunft in einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft und unternehmen hier bereits jetzt zahlreiche Anstrengungen. Was dabei auf jeden Fall bleibt, ist das Versprechen an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als verlässlicher Arbeitgeber in einer strukturschwachen Region.

Dieses Interview wurde erstmals in Sodexos Whitepaper „Arbeitswelten“ veröffentlicht. Die gesamte Publikation können Sie hier downloaden.

03 Mai 2021

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